Mittwoch, 25. Juli 2007

Odilo Schreger: Studiosus Jovialis


Schreger, Odilo: Studiosus Jovialis, seu Auxilia ad Jocosè, & honestè discurrendum
München u. Stadtamhof 1751, 840 Seiten









Kategorie: Buchstabenpalindrome
Art: Erwähnung

Franz Jacob Schreger war ein Odilo genannter Pater des Benediktinerklosters zu Ensdorf und lebte von 1697 bis 1774. Im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon heißt es zu seinen Schriften u.a.:
"Mit ihrem Sammelsurium an geographischen und historischen Denkwürdigkeiten, theologischen Merksätzen, philosophischen Aphorismen, naturwissenschaftlichen Erkenntnissen sowie vergnüglichen Rätseln, Wortspielen und Schwänken vermittelten Kompendien wie der »Studiosus Jovialis« (1749), der »Lustig- und Nutzliche Zeit-Vertreiber« (1753) oder der »Auszug der Merckwürdigsten Sachen« (1755) einem breiten Publikum nicht nur vielerlei Wissenswertes, sondern befriedigten auch dessen Bedürfnis nach heiterem Lesestoff."
In "Studiosus Jovialis" finden wir im Vorfeld einer Aufzählung deutscher Anagramme das wohl berühmteste aller Palindrome - das Sator-Quadrat:

Unter den genannten Anagrammen tauchen auch einige Palindrome auf:


Diese Begeisterung für Anagramme stieß seinerzeit offenbar nicht überall auf Verständis oder Gegenliebe, wie ein bereits 1711 erschienenes Spottgedicht zeigt. Überschrieben war es mit den Worten "Wider diejenigen, die so gerne die Worte versetzen":

Was hat doch auf dem Helicon,
Ein Anagrammatist davon:
Daß er der Wörter Ordnung stöhret?
Nichts, denn daß er den Kopf sich stöhret,
Und wie die Wörter er verkehrt,
So sein Gehirn sich mit verkehret.1

Wie es Odilo Schreger in dieser Hinsicht erging, ist nicht belegt, dafür aber das Zeugnis eines Zeitgenossen. Herr Levander dichtete 1732 ein Sinngedicht zur anagrammatischen Poesie mit seufzendem Unterton:

Ein Letter-Wechsel kann des Dichters Quelle seyn;
Trifft mehrmals Wort und That ganz schicklich überein,
O wohlgeliebter Strom, der aus der Quelle dringet!
O unbeliebter Vers, der diß und das erzwinget!

und merkte in "Poesis Poetica" verteidigend an:
§. 3.
Was die andre gewöhnliche Art der anagrammatischen Poesie betrifft, so ist es an dem, daß, sofern sie ungezwungen und schicklich, dieselbe nicht schlechthin so zu verabscheuen, als, von gar zu morösen Gemüthern, in einem unbilligen Eckel, geschiehet. Non sua prorsus carent utilitate & jucunditate quantumuis laboriosi magis, quam ingeniosi anagrammatum partus, ist das billige davon zu fällende Urtheil; welches wohlgesetzte und ungezwungene Anagrammata zur genüge verificiren.2

Das hier vorgestellte Exemplar befindet sich im digitalisierten Bestand der Google-Buchsuche und ist dort vollständig online zugänglich.
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1 Besser, Johann von: Des Herrn von B. Schriften. Leipzig: Johann Friedrich Gleditsch und Sohn, 1711, Seite 484
2 Levander, V.D.M.: Poesis Poetica: Oder, poetische Betrachtung der Poesie in 100 Sinn-Gedichten. Brandenburg: Johann Ernst Wohlfelden, 1732, Seite 83f